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Warum ich niemals damit aufhören werde. Niemals!

Dem Tanz auf der Spur

„Dancing to me is not something sentimental. Dancing to me is movement – people moving in time and in space. It has nothing to do with sentimentality or love but with activity.”
(Merce Cunningham in Huschka 2000, 206)

Leib – Raum
Ich stütze mein Menschenbild auf die erkenntnistheoretische Denkweise der Philosophie. Während des Studiums habe ich begonnen, mich mit dem phänomenologischen Entwurf des heilpädagogischen Menschenbildes zu beschäftigen, welches angelehnt ist an die Erkenntnisse Edmund Husserls.
Auf der Basis des Lebensweltentwurfs Husserls entwirft der Franzose Marcel Merleau-Ponty seine Theorie des Leibes. In ihr erscheint der Leib als ursprüngliche „Beziehung von Mensch und Welt, (…) der als vorpersonales Subjekt aufzufassen ist“ (Schörken 1997, 3)
Aus der Sicht Merleau-Pontys kann Welt nicht beziehungslos vom Dasein des Menschen erkannt werden. Über den Körper des Menschen, der mehr als nur eine stoffliche Hülle ist, steht der Mensch mit der Welt in Kontakt. Der Körper ist die wahrnehmbare Form der Existenz des Menschen und gleichzeitig das Werkzeug, mit dem er Welt wahrnehmen kann. Es gibt keinen Körper getrennt vom Leib und keinen Leib ohne Körper. Der Körper ist in seiner stofflichen Beschaffenheit die „Räumlichkeit des Leibes“ (Pfeffer 1988, 25), das „zentrale Erlebnisobjekt, das anschauliche Ich“ (Schmidt 2002, 423)
Sobald der Mensch „ist“ – sprich existiert – steht er bereits in Beziehung zur Welt.
Merleau-Ponty bezeichnet diese Beziehung als „Sein – zur – Welt“ (Merleau-Ponty nach Danner 1994, 137).
In der Leiblichkeit verbinden sich Körper und Geist. Aus ihr heraus manifestiert sich der Körper in seiner individuellen Beschaffenheit und führt über den Prozess der Wahrnehmung Informationen an die verarbeitende Instanz, den Geist, weiter. In diesem Prozess entwickelt sich individuelle Identität.

„Nicht mein Sein wird durch das Denken begründet, sondern umgekehrt: Die Weise meiner Existenz bestimmt mein Denken. Leiblich – sinnlich – geschichtlich bin ich zur Welt; und nur als solcher kann ich erkennen; nur in diesem Sinne kann von „Bewusstsein“ gesprochen werden.“
(Danner 1994, 137)

Identität ist als „Gestalt(ung)“ der jeweiligen Körper – Geist – Einheit bzw. des Leibes die individuelle Maßgabe der Empfindung des Sinnes der Welt (vgl. Fornefeld 2002, 160).

Leib – Zeit
Der phänomenologische Lebensweltentwurf setzt Geschichte als den Menschen konstituierend voraus. Mit der Entstehung seines Lebens tritt er in die Lebenswelt ein und vereint in seinem Bewusstsein die drei Zeiten Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, innerhalb derer er Teil hat am Leben. Bewusstsein im husserlschen Sinne ist Zeitlichkeit.

„Das Bewußtsein ist ein Strom von Erlebnissen, also eine fließende Mannigfaltigkeit. Aber die vielen verschiedenartigen Erlebnisse sind mir alle als „meine Erlebnisse“ bewusst. In dieser Zugehörigkeit zu „mir“ gehören sie alle zusammen, bilden sie eine Einheit. Diese synthetische Einheit der Mannigfaltigkeit des Erlebnisstroms ist nach Husserl die Zeitlichkeit.“
(Held in Husserl 2002, 24)

Die lebensweltliche Handlungszone des Menschen ist die Gegenwart. Sie ist ihm zeitlich gesehen die nächste.
Die menschliche Existenz ist durchdrungen von Zeit und Zeitstrukturen. Beginnend bei der Zeitlichkeit als menschliche Qualität bis hin zu einem wissenschaftlichen Zeit- und Geschichtsbegriff. In jedem Augenblick erlebt der Mensch Zeit. Er macht die Erfahrung subjektiver Zeitempfindung und lernt den Sinn und die Funktion der objektiven Zeitmessung kennen. Zeit ist Teil seiner Selbst und seiner Lebenswelt, und der Mensch erlebt sozusagen eine Geschichte der Zeit. Aus Zeit wird Geschichte, die in ihrem Wesen nur dann erfasst werden kann, wenn alle möglichen Lebensweisen einer Gesellschaft und der in ihr lebenden Individuen berücksichtigt werden. Der Mensch ist folglich per se ein zeitliches Wesen mit einer Lebensgeschichte, die auf eine Identität weist.

Davon ausgehend ergeben sich für mich Fragen:
Ist Tanz nicht mehr als Bewegung in Zeit und Raum?
Wann wird die Bewegung zum Tanz?
Wie wird der Körper zum Tanzkörper?
Welche Bedeutung haben dabei Training und Körperarbeit der verschiedenen Tanzformen?
Ist die Bedeutung des Körpers bei der Betrachtung von Tanz und der Entstehung des Tanzes paradox, weil der Tanzkörper zugleich Quelle und Material ist?
Was bedeuten Ästhetik und Authentizität im Tanz?
Wann wird Tanz zur Kunst?
Wie entstehen in diesem Zusammenhang Normen?
Was bedeutet das für einen Körper jenseits bestimmter Normen?
Kann der behinderte Körper zum Tanzkörper werden?
Und was bedeuten Ästhetik und Authentizität dann, jenseits der Norm?
Ist Tanz-kunst eine Handlungsweise, die es jedem Menschen ermöglicht, in und mit seiner Leiblichkeit integer zu sein, zu bleiben, zu werden?


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TANZKUNST im tanzraum.mg

Fuxfigur

“Tanzkunst für Jugendliche” montags 18.30 bis 19.30 Uhr

“Tanzkunst für Erwachsene” mittwochs 18.30 bis 20 Uhr

Die Ziele dieser Kurse sind, Mittel der Komposition kennen zu lernen und eigene Tänze zu gestalten. Sie richten sich sowohl an Anfängerinnen und Anfänger als auch an fortgeschrittene Tänzerinnen und Tänzer.
Jede Einheit beginnt mit einem ganzheitlichen warm-up und Techniktraining. Anschließend experimentieren wir anhand von Wahrnehmungs- und Bewegungsaufgaben mit den Bewegungsmöglichkeiten unseres Körpers und er-finden Bewegungsmaterial, aus dem wir konkrete tänzerische Elemente entwickeln und zu einer choreografischen Gestaltung verknüpfen.

Probiert es aus und meldet Euch für eine kostenlose Probestunde an.
Dies sind meine Telefonnummern: 02161/ 6 88 84 84 oder 0177/ 4 30 04 74
Oder Ihr meldet Euch per Mail: anja.abels@gmail.com

Der Beitrag 60-minütiger Kurse beträgt monatlich 28 €.
Der Beitrag 90-minütiger Kurse beträgt monatlich 42 €.

Fidele Grüße
Anja


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“SOPHIE SPINNT!” bei nachtaktiv 2016

sophiespinnt1

 

Ich werde in diesem Jahr zum ersten Mal als Kulturschaffende an der Kulturnacht in Mönchengladbach teilnehmen. In Kooperation mit Johannes Jansen und den Freimeistern werde ich einen Flur in der alten Spinnerei, die an der Sophienstrasse liegt, bespielen.

Für mich ist der Flur ein Raum, der andere Räume miteinander verbindet. Er ist ein Ort der Fortbewegung. Wenn jemand oder etwas dazwischen kommt, kann er zu einem Ort des Verweilens werden.
„Sophie spinnt!“ ist eine Intervention, die Zuschauerinnen und Zuschauer einlädt, auf ihrem Weg inne zu halten und die speziell für diesen Flur entwickelte Tanz-Gestaltung zu beeinflussen bzw. der Performerin „dazwischen zu kommen“.

Im Augenblick arbeite ich an der konkreten Tanz-Gestaltung.
Dazu habe ich andere Menschen gebeten, diesen Satz zu vollenden: “Ich gehe den Flur entlang…”
Die daraus entstandenen Sätze sind nun Handlungsanweisungen, die mich herausfordern, sie in Bewegung zu versetzen und zu verkörpern.
Ich bin gespannt wohin sie mich führen…

Das hier sind sie:
ICH GEHE DEN FLUR ENTLANG…

“…dem Sonnenfleck am letzten Fenster entgegen.”

“…, die Dielen glatt und glänzend.”

“…und stelle fest, dass ich den Hallenschlüssel vergessen habe.”

“…in der Hoffnung, das Ende zu erreichen, aber der Weg ist steinig und hart, da keiner das Licht angemacht hat.”

“…und laufe los.”

“…beschwingten Schrittes, denn es riecht nach Frühling und irgendwo weit her singt Madonna “life ist a mystery…”.”

“…und aus dem Flur wird ein Gang und aus dem Gehen wird ein Springen und aus entlang wird ein endlich, denn ich weiß, sie erwarten mich schon voller Ungeduld und Freude.”

nachtaktiv 2016


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“soundtrack of my life”

Soundtrack…musikalische Begleitung meines Lebens(films)
Es gibt diese Soundtracks – diese Originale – die ich auch schon mal käuflich erwerbe. Die spielen jedoch nur selten eine wirkliche bedeutende Rolle.
Dann gibt es die, die ich selbst zusammen stelle. Als Begleitung für Autofahrten, als Geschenk (das frühere Mixtape) oder als Zusammenstellung von Liedern, die in einer bestimmten Zeit wichtig sind.
Und dann gibt es die, die mir begegnen. Das kann sein, wenn DIESES Lied auf einem Fest gespielt wird oder mir von einer Freundin oder einem Freund vorgestellt wird.
Und dann gibt es auch noch diese Momente, in denen eine Begebenheit, eine Situation, eine Stimmung von einem Liedfetzen ummantelt wird.
In der letzten Woche erlebte ich zwei dieser Momente. Und sie waren schon auch irgendwie absurd.
Ich war in Barcelona, um Freunde zu besuchen. Am Mittwoch führte mein Weg mich noch vor Sonnenaufgang nach Montserrat.
Nachdem der Sonnenaufgang gebannt war, ging es in die Höhe. Unzählige Stufen und Steige (aber vor allem Stufen) auf den Berg. Wo ich doch sooooo unfassbar gerne wandere…
Und so kam ich entsprechend erschöpft am Nachmittag wieder in Barcelona an. Mit schlurfendem Schritt schleppte ich mich gen Casa Corasven, vorbei an einer dieser alteingesessenen Bars. Die mit den Metallstühlen und Tischen, Neonbeleuchtung und Fernseher mitten im Geschehen. Großartig.
Just im Moment meines Vorbeischlurfens ereilte mich der Soundtrack des Tages:

Pffff!

Ähnlich schräg war es dann auch ein paar Tage später.
Ich neige dazu, in der Fremde mir bekannte Menschen zu sehen. Bevorzugt handelt es sich um Schülerinnen und Schüler. Selbstredend, dass ich sie dann noch in der Gestalt von Zehnjährigen sehe, auch wenn der Unterricht mit ihnen schon einige Jahre her sein mag. Inzwischen könnten sie schon doppelt so alt sein.
Aber das ist ein ganz eigenes Gebiet meiner Geistestätigkeit.
Ich sah also wieder ein mir wohlbekanntes Wesen: die Rückansicht der Jugendliebe im zarten Alter von 20?!
Und der Fernseher der Bar zeigt ein wirklich gruseliges Video und trällert:

Absurd. Fantastisch.
Ich liebe Soundtracks!


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mit mir (flamenco) tanzen

Ich bin Tänzerin und Tanzpädagogin.

Ich beschäftige mich damit, die wesentlichen Merkmale des Flamencotanzes zu identifizieren. In meinen Stücken verknüpfe ich diese mit Elementen des Tanztheaters und der postmodernen Tanzkunst und nähere mich immer mehr meiner eigenen Bewegungsgestalt-ung.

In meinem Unterricht lege ich Wert auf eine kunst-orientierte Tanz-Pädagogik, die über das Technische hinaus das ästhetische Empfinden der Teilnehmerinnen und Teilnehmer anspricht.
Ausgehend vom Bewegungsrepertoire des Flamenco, arbeiten wir an der Basis von Bewegung und trainieren Koordination, Kraft und Ausdauer. Hinzu kommen gestalterische Aufgaben, die in einem wertfreien Entfaltungsraum das Entdecken und Erproben eigener Ideen und Bewegungsqualitäten ermöglicht.

Montags von 20 bis 21.30 Uhr findet der Unterricht für Tänzerinnen und Tänzer statt, die schon Erfahrung mit dem Bewegungsrepertoire des Flamenco haben.
Dienstags von 19 bis 20.30 Uhr findet der Unterricht für Tänzerinnen und Tänzer statt, die noch keine oder wenig Erfahrung mit dem Bewegungsrepertoire des Flamenco haben.

Übrigens!
Ich biete als Tänzpädagogin auch Projekte in Schulen an.
Und als Dozentin biete ich Fortbildungen für Pädagoginnen und Pädagogen an, die in ihrer Einrichtung tanzen und Tanz anleiten möchten, bzw. für Tänzerinnen und Tänzer, die als Künstlerin bzw. als Künstler in pädagogischen Einrichtungen tätig werden möchten.
Der monatliche Beitrag beträgt 42€.

Und dies noch!
Ich plane zur Zeit einen Kurs für Tänzerinnen und Tänzer mit unterschiedlichen Körperlichkeiten.

Wenn Ihr Flamenco tanzen wollt oder Euch für “mixed-ability” oder eines der anderen Angebote interessiert, meldet Euch: 02161/ 6 88 84 84 oder 0177/ 4 30 04 74 oder anja.abels@gmail.com

Fidele Grüße
Anja


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Mariechen, tanz! – eine bewegte Aufnahme

Nach den Worten und den Fotos gibt es nun ein Video.


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“Tanz.MG – Zum zweiten Mal!” – die Galerie

Es hat ein bisschen gedauert. Aber hier ist sie endlich, die Galerie zum Festival.
Ich wünsche Euch viel Vergnügen beim Betrachten!


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Ueber die Nacktheit in der Kunst und die Leiblichkeit des Seins – ein irritiertes Gedankensammelsurium

Vor drei Wochen war ich mit FreundInnen bei der Eröffnung des impulstanz – Festivals. Sie fand im Museumsquartier in Wien statt. Ich bin gerne im MQ. Es ist immer irgendwie entspannt und quirlig zugleich dort. Meist verweile ich dort nach meinem obligatorischen Besuch des mumok noch ein bisschen.
So war es übrigens auch am Mittag desselbigen Tages. Der Mann und ich haben die Ausstellung „Wiener Aktionismus“ besucht. Ich dachte, dass ich gar nicht genau wüsste worum es sich dabei handelt. Weiß ich aber doch.
Nicht, dass ich diese Bewegung verstehen würde…ich meine tatsächlich verstehen würde…aber viele der Aktionen und ihre Einflüsse auf Ereignisse heutiger Performancekunst sind mir nicht unbekannt. Und auch die damit verbundenen Namen kenne ich fast alle. Damalige AktionistInnen wie auch viele von heute.

„Mein Körper ist das Ereignis“

Diese Aussage bewegt mich sehr. Sie treibt ihre Wurzeln in die Leiblichkeit. Und die damit verbundene Idee und Erfahrung phänomenologischer Zusammenhänge begleitet und beeinflusst mich schon IMMER.
Als Kind und Jugendliche eher diffus. Und dann konkreter im Studium der Sonderpädagogik. Vor 20 Jahren als ich in Köln studierte, war das Studium der PH sehr philosophisch ausgerichtet. Viele meiner kindlichen Gedanken waren tatsächlich nicht neu, sondern Menschen wie Husserl oder Merleau-Ponty haben Wortgestalten dafür entwickelt und bestimmt.
Es gibt eine Sprache dafür. Die natürlich das Phänomen an sich nicht gänzlich fassen kann – aber ich kann mich mit anderen ansatzweise darüber austauschen.
Ich habe das dann leider im praktischen Alltag meines Lehrerinnendaseins aus den Augen verloren und es musste sich eine anstrengende und verwirrende Flut von Begebenheiten ereignen, damit ich mich schließlich daran erinnerte.

Nicht zuletzt die Entscheidung, mich weniger dem Schulsystem, sondern mehr der Tanzkunst zu widmen, hat mich zurück geführt.

Nach vorn zurück. Zurück nach vorn. Oder: ist eh alles EINS.

Nun denn. Ich studiere Tanz. Tanzkunst. Elemente der Tanzkunst. Ich flamenco.
(Hihi, die Idee „flamenco“ als Verb zu nutzen, widme ich der Phänomenologie. Das ist ein guter Zeitpunkt, um dieses Buch zu empfehlen:
So, und mit diesem Überunterbau betrachte ich „Wiener AktionistInnen“ und die von ihnen inspirierten KünstlerInnen.
Ich stelle fest: Aktionen, in denen Menschen sich selbst oder andere Wesen verletzen, irritieren mich. Aktionen mit humorvollkritischem Kern interessieren mich.
Aber das kann ich erst seit einigen Tagen so klar formulieren. Vor drei Wochen gab es da „nur“ eine Menge Gefühl und wenig Worte.

Mit diesem „viel Gefühl“ kam ich am Abend also wieder ins MQ. Ich wusste nur, dass Doris Uhlich maßgeblich an der Eröffnungsveranstaltung beteiligt war. Das reichte mir. Ich war neugierig. Denn ich kannte sie bis dato nur aus Erzählungen, Videos, Fotos und Texten.
Und so betrat Frau Uhlich die Bühne und begann ihre DJane-Gestaltung. Begleitet von ihrer Musik betreten nach und nach 20 TänzerInnen die Bühne. Die vorherrschenden Bewegungselemente erinnern mich an Raves (sagt man das heute eigentlich noch so?).
Ich beobachte viel und finde choreografische Elemente, die mich interessieren: Wie werden Einsätze gegeben, Wechsel eingeleitet, ohne dass die Takte gezählt werden? Was geschieht mit einer einfachen Bewegung, die von vielen TänzerInnen aufgenommen wird? Wie werden zwischenräume zu Gestaltungsräumen?…
Und plötzlich sind alle TänzerInnen nackt.
Ganz wirklich plötzlich. Huch!
Hm. Na gut, machen sie eben so weiter…

Und auf die Plätze, fertig, los! Stecke ich fest.

Warum sind sie jetzt nackt? Warum ist Frau Uhlich es nicht? Warum sind sie alle so perfekt, so durchtrainiert? Warum ziehen sie sich nicht wieder an? Muss das sein? Braucht das Stück die Präsentation der Nacktheit? Warum flippen die ZuschauerInnen so aus? Warum nervt mich das so? Und warum langweilt es mich bald?
Und endlich zieht auch Frau Uhlich sich aus. Und bei ihr machen die Bewegungen, die ich zuvor bei den 20 schon sah, plötzlich Sinn.
Und ja, es kommen dann doch noch Momente, in denen auch die Nacktheit der 20 irgendwie Sinn macht. Für mich. In diesem Augenblick.

Na ja. Ich blieb trotzdem zumeist ratlos. Vor drei Wochen. BRAUCHT DAS STÜCK die Nacktheit? BRAUCHT DIE KUNST die Nacktheit?
Und heute bin ich nicht unbedingt weniger ratlos. Aber deutlich weniger wertend.

Nur ein paar Bilder sind mir noch in Erinnerung, von der Eröffnung:
Das plötzliche Nacktsein.
Die Puderszene.
Doris Uhlich halbnackt hinterm DJane-Pult und schwabbelnackt auf der Bühne.

Nacktheit. Nacktsein. Bekleidetsein und bleiben – werden gebraucht und machen Sinn. Für jede Einzelne und jeden Einzelnen in ihrer und seiner Zeit.
Vielleicht erscheint es deshalb so, dass heutige KünstlerInnen „wiederholen“ – Aktionen der 60er tauchen wenig verändert wieder auf.

Eben weil sie für sie in ihrer Zeit, hier und jetzt, Sinn machen.

Und manche der Aktionen machen auch nur Sinn, wenn es mindestens eine BetrachterIn gibt.
Mein Unverständnis ist letztlich auch ein Ausdruck von beteiligt sein.
Und eigentlich mag ich diese Momente, in denen ich irritiert bin. Ich stelle dann Fragen. Fragen an mich selbst.

Und es bewegt mich sehr, wenn eine Tänzerin, die nicht dem immer noch unangefochtenen Ideal des Tänzerinnenkörpers entspricht, ihren entblößten Leib zeigt.

Derweil ich mir weiter Fragen über meinen eigenen Nacktseindrang stelle, zieh ich mir erst mal eine Spitzenhose an, mit der ich „nicht so vorteilhaft aussehe auf der Bühne“ – wie es ein Freund vorsichtig formulierte.
Aber wisst Ihr, ich muss es genauso tun. Es ist mir wichtig. Mein Stück und ich brauchen es so.

Übrigens Julia Petschinka hat in ihrem blog über eben diese Eröffnung geschrieben. Wir waren zusammen dort. Das Bild, das über der Überschrift ihres Artikels erscheint, ist mein Lieblingsbild von diesem Abend.
Und hier ist die Musik dazu: Daft Punk


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